Die Universität

Wissenschaftlicher Werdegang

Hilbert Lühr Meyer, geboren am 2.10. 1941 in Lauenburg/ Pommern als viertes von 6 Kindern; Großvater und Vater Lehrer; hin und wieder verwechselter Zwillingsbruder des Erziehungswis­senschaftlers Meinert Meyer vom Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Ham­burg:

  • Schulbesuch von 1948 bis 1961 in Westerstede bei Oldenburg (Land Niedersachsen); Abitur am Gymnasium Westerstede 1961 (mit Ach und Krach)

  • Sommersemester 1961 bis Wintersemester 1961/62 Studium an der Kirchlichen Hoch­schule Bethel bei Bielefeld (Abschluss: Graecum) und als Gasthörer an der Pädagogischen Hochschule Bielefeld

  • Sommersemester 1962 bis Sommersemester 1964 Studium an der Pädagogischen Hoch­schule Oldenburg (Abschluss: Erstes Examen für Lehrer an Volksschulen mit einer Abschlussarbeit "Das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Schleiermachers Be­griff der Erziehung"; Betreuer: Werner Loch und Herwig Blankertz)

  • 1.8.1964 bis 1.4.1967 Lehrer zur Anstellung an der Volksschule Ocholt/ Landkreis Ammer­land; Unterricht in allen Jahrgangsstufen - Schwerpunkt Grundschule - Lieblingsfach Sachun­terricht (Abschluss: Zweites Examen für Lehrer an Volksschulen mit einer Examensarbeit zum Thema "Das didaktische Problem der Verfrühung im Sachunterricht"; Betreuer: Hans-Jochen Gamm; in Kurzfassung veröffentlicht in "Bildung und Erziehung" 1968)

  • 1.2.1967: Ernennung zum Beamten im Schuldienst des Landes Niedersachsen; 31.3.67 Entlassung aus dem Beamtenverhältnis

  • Sommersemester 1967 bis Wintersemester 1968/69: Promotionsstudium an der Freien Universität Berlin (bei Herwig Blankertz) mit dem Hauptfach Erziehungswissenschaft und den Nebenfächern Philosophie und Geschichte; in Berlin war wegen der Studentenrevolte der Bär los; Studieren und Agitieren haben Spaß gemacht - und beides ließ sich sehr wohl miteinander verknüpfen; in dieser Zeit: Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Wirtschaftspädagogik der Freien Universität Berlin (gemeinsam mit Frank Achtenhagen und Adolf Kell)

  • ab Sommersemester 1969 Fortsetzung des Promotionsstudiums an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, weil mein Dissertationsbetreuer Herwig Blankertz nach Münster wechselte;

  • Februar 1970 Magister Artium (M.A.) der Philosophischen Fakultät der Universität Münster in den Fächern Erziehungswissenschaft, Philosophie und Geschichte mit einer Magisterarbeit zum Thema "Die didaktische Konzeption der Pariser "Ecole Polytechnique" während der Französischen Revolution" (Betreuer: Herwig Blankertz; Spuren der Magisterarbeit finden Sie in Herwig Blankertz" Buch "Bildung im Zeitalter der großen Industrie", Schroedel Hannover 1969); die Magisterprüfung wurde im Geschwindtempo absolviert, weil ich die Stelle eines Wissenschaftlichen Assistenten an der Universität Münster erhalten sollte, aber das PH-Examen nicht als Voraussetzung akzeptiert wurde (die Gründe für diese Diskriminierung habe ich damals und auch heute noch nicht akzeptiert)

  • März 1971 bis März 1972: Wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Erziehungswis­senschaft der Universität Münster

  • Februar 1972: Promotion zum Dr. phil. an der Philosophischen Fakultät im Fach Erziehungswissenschaft (Nebenfächer Philo­sophie und Geschichte) mit einer Dissertation zum Thema "Das Deduktionsproblem in der Curriculumforschung", Erstgutachter war Herwig Blankertz, Zweitgutachter Willi Oelmüller; veröffentlicht wurde die Arbeit unter dem generalisierten Titel "Einführung in die Curriculummethodologie" (Kösel Verlag München 1972).[1]

  • April 1972 bis Februar.1975: Wissenschaftlicher Angestellter (zunächst BAT II a, dann BAT I a) des Nordrhein-westfälischen Kultusministers zur Mitarbeit in der Wissenschaftlichen Begleitung des Schulversuchs Kollegschule (Leitung: Herwig Blankertz; meine Arbeitsfelder: Betreuung von Curriculumentwicklungs-Teams und Evaluation des Modellversuchs; hier entstand das "Trainingsprogramm zur Lernzielanalyse", Fischer Athenäum Taschenbuch 1974)

  • Februar 1975: Übernahme einer Professur (zunächst A 4, später umgewandelt in C4) "Schulpädagogik" am Fachbereich 1 der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (die damals noch um ihren Namen kämpfen musste); schrittweise Einarbeitung in die Schwerpunkte "Allgemeine Didaktik" (seit 1975), "Unterrichtsmethodik" (seit 1982) und "Schulentwicklung" (seit 1992); was unter "Schulpädagogik" zu verstehen sei, war mir bei der Übernahme dieser Professur eher unklar; klar war nur, dass es aufgrund eines schieren Zufalls die Planstelle war, die vorher mein Vater als Beamter des Landes Niedersachsen an der Pädagogischen Hochschule für Landwirtschaftslehrer in Wilhelmshaven innegehabt hatte.

  • Februar 1975 bis Sommersemester 1985 Mitarbeit am Aufbau, an der Durchführung und an der Evaluation des Oldenburger Modellversuchs zur Einphasigen Lehrerausbildung (ELAB); der Modellversuch wurde nach dem Regierungswechsel von der SPD zur CDU abgebrochen, obwohl er kostenneutral und in mehreren Gutachten positiv evaluiert wurde; bis heute ist dies für mich ein zukunftsweisendes, keineswegs utopisches, sondern mit gewissen Modifikationen realisierbares Modell für die LehrerInnenbildung des 21. Jahrhunderts.

    Im Rahmen meiner ELAB-Mitarbeit entstanden die im Zentrum für pädagogische Beruf­spraxis veröffentlichten Vorausfassungen des "Leitfadens zur Unterrichtsvorbereitung" (Oldenburg 1979) und der "Unterrichtsmethoden" (1982) in enger Zusammenarbeit mit Studierenden und LehrerInnen; der "Leitfaden" veranlasste den damaligen Kultusminister Werner Remmers, den Rektor der Universität Oldenburg in einem durchaus ungewöhnlichen Erlass aufzufordern, dafür Sorge zu tragen, dass dieser Text nicht als verbindliche Grundlage für das Lehramtsstudium an der Universität Oldenburg dienen möge; dies wies der Rektor mit dem Hinweis auf die Freiheit von Forschung und Lehre zurück.

  • Sommersemester 1989 bis Wintersemester 1990/91: Dekan des Fachbereichs 1 der Carl von Ossietzky Universität; Sommersemester 1990 Kooperationsvereinbarung des Fachbe­reichs 1 mit der Pädagogischen Hochschule "Clara Zetkin" in Leipzig, die wenige Monate später von der neuen Sächsischen Landesregierung "abgewickelt" wurde.

Pensionierungsdatum:

Ich werde immer öfter danach gefragt, obwohl mir gar nicht danach zumute ist. Ich bin 1975, also im vorletzten Jahrgang, in dem noch die mittelalterlichen Privilegien der Emeritierung vergeben wurden, zum Professor ernannt worden. Ich kann und darf also bis zum 68. Lebensjahr arbeiten und beklage mich nicht, weil Arbeit – frei nach Karl Marx – ein gutes Mittel zur Selbstverwirklichung ist (solange bei der Arbeit Selbstbestimmung möglich ist.) Dies heißt, dass ich wahrscheinlich im Jahr 2008 emeritiert werde.

Beiräte usw.:

  • 1977 bis 1980: Mitglied des Kuratoriums des Regionalen Pädagogischen Zentrums (RPZ) in Aurich/Ostfriesland - ein Modellversuch des Bundes, der dann vom Land Niedersachsen abgebrochen wurde
  • 1984 bis 1994: Mitglied des Beirats des Instituts für Didaktik der Mathematik an der Uni­versität Bielefeld
  • seit 1994: Mitglied des Beirats der Laborschule Bielefeld
  • seit 1995 Mitglied des Beirats der Hauptschule Osternburg
  • seit 1998: Mitglied des Beirats der Cornelsen Stiftung "Lehren und Lernen" beim Stifterver­band für die Deutsche Wissenschaft
  • 2002: Mitglied des „Runden Tisches Bildung“ des Senators für Schule und Bildung in Bremen



[1] Diese Titel-Generalisierung hat mir dann noch Ärger mit Hartmut von Hentig eingebracht: Zur 500-Jahrfeier der Uni Tübingen hielt er einen Vortrag zur Frage der Praxisrelevanz der erziehungswissenschaftlichen Forschung (veröffentlicht in HvH: Erkennen durch Handeln, Stuttgart 1982), in dem er meine Diss. Als Musterbeispiel für Praxisirrelevanz kritisierte (a.a.O., S. 35). Er hat aber zugestanden, dass ich mich in späteren Veröffentlichungen ein wenig verständlicher ausgedrückt habe.