Die Universität

1. Lolationsstrategien

Vorweg eine Arbeitsdefinition:

Definition 1: Lolationsstrategien sind permissiv-opake Handlungsmuster zur Instrumentierung schülerorientierter Alltagsinszenierungen des Unterrichts.

Sie dienen also der Regulierung transpädagogischer Fragestellungen. Sie sind eher freischwebend und so gut wie gar nicht zu operationalisieren. (Was "Operationalisieren" heisst, können Sie in dem Buch "Trainingsprogramm zur Lernzielanalyse" von 1974 nachlesen.)

Die Bedeutung dieser Strategien ist in den USA schon in den 60er und 70er Jahren erschöpfend diskutiert worden. Dazu liegt der grundlegende Aufsatz von Treblih Reyem aus dem Jahre 1970 vor:

- Reyem, Treblih: The Development of Student"s Lolative Strategies. In: M.C. Wittrock/David E. Wiley (Eds.): The Evaluation of Instruction. Issues and Problems. New ork (Holt, Rinehart & Winston) 1970, pp.149-164

In Deutschland setzte die Rezeption dieses Konzepts nur zögerlich ein. Die führenden Didaktiker der Nation (Wolfgang Klafki, Lothar Klingberg u.a.) sind zwar mehrfach von mir im persönlichen Gespräch auf dieses Konzept hingewiesen worden, haben sich aber noch nie in einer Veröffentlichung dazu geäußert. Sie finden jedoch einen knappen Hinweis in dem von Hans-Dieter Haller und mir herausgegebenen Band 3 der Enzyklopädie Erziehungswissenschaft (Klett-Cotta Verlag Stuttgart 1986, S. 638). Im Buch "Unterrichtsmethoden" (Scriptor Bd.1 1987, S. 211) habe ich die Lolationsstrategien als ein eigenständiges Unterrichtskonzept gleich neben den wissenschaftsorientierten Ansätzen plaziert:

- Dort steht geschrieben, es gehe um Theorien des Bluffens, Einlullens und sich Durchwurschtelns (= muddling through), die im Schulalltag nützlich sind, aber in neueren Theorien (mit Ausnahme des Konstruktivismus) unter Verdacht stehen.

In dem gemeinsam mit dem Mannheimer Musikpädagogen Werner Jank geschriebenen Buch "Didaktische Modelle" (Cornelsen Scriptor 1991) werden Lolationsstrategien auf der WISSENSCHAFTSTHEORETISCHEN LANDKARTE gleich neben der Chaosforschung plaziert.

Liebe Studierende,

... Das Wort "Lolationsstrategie" haben Andreas Gruschka (jetzt Hochschullehrer an der Universität Frankfurt/Main) und ich uns vor 33 Jahren an der Uni Münster ausgedacht: Andreas machte bei mir seine Diplomprüfung zum Thema "Curriculumforschung". Wir beide wussten, dass die zwei Mitprüfer von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten. Deshalb haben wir uns für die letzten 5 Minuten der Prüfung ein Nonsensgespräch über diese Strategien ausgedacht. - Der Vorsitzende hat interessiert geguckt, der Protokollant hat brav protokolliert - aber keiner kam auf die Idee, dass das Ganze nur eine Erfindung war.

Warum der Umstand? Ich will Ihnen damit einen Kick geben, nicht alles für bare Münze zu nehmen, was Ihnen in der wissenschaftlichen Literatur angeboten wird! Prüfen Sie jeden Text auf seinen rationalen Gehalt! Bleiben Sie skeptisch, wenn ein Text schier unverständlich ist! ...

Nichts für ungut,

Ihr Hilbert Meyer